Eurobike-Rückblick I: Neue Downhill-Bikes für 2011

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Auch dieses Jahr gab es an der Eurobike wieder eine Menge neuer oder verfeinerter Downhill-Bikes zu entdecken. Frontline Magazine bietet einen Überblick.

Und zwar von A wie Astro bis Z wie Zonenschein – da die neuen «Demo»-Modelle von Specialized, das «V10 Carbon» von SantaCruz und das Trek «Session 88» eh schon x-fach im Internet aufgetaucht sind, braucht Ihr sie hier nicht zu suchen.


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Bei Astro’s FSS-System dreht sich das Tretlagergehäuse im Hauptrahmen. Foto: LvR

Astro präsentiert das FSS-System
Das Tretlager vom Hauptrahmen zu entkoppeln, scheint einer der Trends des kommenden Jahres zu sein: Nach GT, wo man seit Jahren auf das iD-Hinterbausystem setzt, und Lapierre’s neuem «Pendbox»-System ist nun auch Astro mit einem entsprechenden Rahmen am Start, der bei Marken wie Acefactory und Kraftstoff zum Einsatz kommen wird.


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Ausser bei Acefactory kommt der neue Astro-Rahmen mit dem FSS-System auch bei Kraftstoff zum Einsatz. Foto: LvR

In einer Vorabmeldung (CLICK) hat Frontline Magazine bereits darüber berichtet. Bei der Eigenentwicklung von Astro, welche die Taiwanesen «FSS» nennen, dreht sich das gesamte Innenlagergehäuse zusammen mit dem unteren Umlenkhebel im Rahmen. Laut Sam Hunziker von Acefactory verhärtet dieser Hinterbau mit virtuellem Drehpunkt und beidseitig an den Umlenkhebeln befestigtem Federbein umso mehr, je härter man in die Pedale tritt.


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Eigentlich zu schön, um über die Rennstrecken dieser Welt geprügelt zu werden: Das «Legend MK II» von Banshee. Foto: LvR

Ein Banshee für die Galerie
Okay, komplett neu ist das «Legend MK II» von Banshee nicht: Dieses farblich bis in die Details durchgestylte Show-Bike hat genau genommen schon einige Reisen hinter sich. Denn dieses Frühjahr sorgte es bereits an der Taipeh International Cycle Show für Aufsehen.


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Mit verfeinerter Kinematik und in knalligem Gelb: Das «Straitline» von Bergamont. Foto: LvR

Bergamont: «Straitline» mit verfeinerter Kinematik
Eigentlich wollte Bergamont schon von Beginn weg seinem «Straitline»-Downhiller mit einem axialen Drehpunkt ausstatten, verzichtete dann aber zunächst darauf, um keine Patentkonflikte zu riskieren. Inzwischen sind alle juristischen Fragen geklärt, und der Drehpunkt ist von der Sitzstrebe zur Hinterrad-Achse gewandert. Von Trek’s vollgefederten Modellen weiss man, dass dies eine weitgehend antriebsneutrale Federung ohne Verhärten beim Bremsen ergibt. Zudem verpasst Bergamont dem Downhill-Bike für 2011 knallige Farben.


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Kompakt und aufgeräumt: Das «Supreme DH Evo», 2011 nur für Teamfahrer zu haben. Foto: LvR

Commencal: Das neue Spielzeug der Athertons
«Supreme DH Evo» nennt Commencal dieses neue Downhill-Bike, das 2011 nur als Prototyp im Rennzirkus unterwegs und erst auf die Saison 2012 hin für Normalverbraucher erhältlich werden wird. Am neuen Rahmen finden sich viele sinnvolle Features, die man auch schon an anderen Rahmen gesehen hat.


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Der Schaltzug und die Bremsleitung verlaufen durch Hauptrahmen und Schwinge und treten erst kurz vor der Hinterradachse ans Tageslicht. Foto: LvR

So werden Schaltzug und Bremsleitung für eine aufgeräumte Optik im Rahmen drin verlegt, und am konifizierten Steuerrohr lässt sich mittels Hülsen der Steuerwinkel variieren. Das Oberrohr baut nun deutlich tiefer, und die ganze Hinterbau-Kinematik erinnert stark an Bodo Probst’s «Float Link»-Design.


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Am konifizierten Steuerkopf des «Supreme DH Evo» lässt sich der Lenkwinkel über Einsätze variieren. Foto: LvR

Sieht auf jeden Fall nach einem zeitgemäss-kompakten Downhill-Boliden aus, und man darf gespannt sein, was die Athertons in der kommenden Saison damit für Erfolge einfahren.


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Gelobt sei, was schützt: Dank dieser Carbon-Abdeckung ist das Federbein an Cope’s «Statement» bestens vor Gatsch und aufgewirbelten Steinen geschützt. Foto: LvR

Cope schickt das Statement in Serie
Schon vor einem Jahr war uns aufm Freigelände der Eurobike ein ungemein kompaktes Downhill-Bike einer deutschen Schmiede aufgefallen: Das «Statement» von Cope Cycles (CLICK) hat sich Markus Widmann ausgedacht. Zwar hat sich die (Klein-)Serienfertigung verzögert, aber dafür haben die Macher dem exponierten Federbein am «Statement» nun einen Spritzschutz aus Carbon verpasst, der mit dem Hauptrahmen verschraubt wird. Eine saubere Sache.


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Ghost hat beim neuen Downhiller keinen Aufwand gescheut und schickt eine komplette Neukonstruktion ins Rennen. Foto: LvR

Klausmanns neues Arbeitsgerät von Ghost
Marcus Klausmann hat inzwischen 17 deutsche Meistertitel im Downhill auf seinem Konto – und eine enorme Erfahrung in Sachen Material. Nun hat er seinem Bike-Sponsoren Ghost unter die Arme gegriffen, um einen komplett neuen Downhiller zu entwickeln. Schon in der laufenden Saison waren er und Boris Tetzlaff auf Prototypen unterwegs.


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Dank dieser Umlenkrolle führt der hohe Drehpunkt der Schwinge nicht zu einem unkontrollierten Aufschaukeln des Fahrwerks. Foto: LvR

Auf den ersten Blick fällt der hohe Drehpunkt der Schwinge auf, über den die Kette mittels einer Umlenkrolle geführt wird – was den Hinterbau (ein waschechter Viergelenker) von Antriebskräften entkoppelt. Dass die Farben des Rahmens auch an Sattel und Felgen auftauchen, ist ein weiterer starker Trend für die 2011er-Saison.


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Unverkennbar: Von der Lackierung bis zu den Parts ist Marcus Klausmann’s Arbeitsgerät leicht zu erkennen. Foto: LvR

Klausmann’s persönliches Bike fällt ausser durch die schwarz-rot-goldene Custom-Lackierung durch eine Menge rot eloxierter, superleichter Teile von Tune auf – von den Naben über die Sattelstütze bis zum rot-schwarzen Speedneedle-Sattel aus Carbon.


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Fette Sache: Die Abmessungen der Rohre am «M9 FRO» von Intense gehen als vertrauenserweckend durch. Foto: LvR

M9 FRO: Wuchtbrumme aus Temecula
Mit ausgesprochen tief bauenden Tretlagern und einem Hinterbau mit virtuellem Drehpunkt ist Intense Cycles schon länger eine der tonangebenden Marken im Rennsport. So konnte man auch das «M9 FRO» in der vergangenen Saison bereits im Worldcup-Einsatz sehen. In der gebürsteten und klarlackierten Variante kommt die aufwändige Konstruktion nochmals besser zur Geltung.


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Entschlackt und vor edlen Parts nur so strotzend: Das «Supreme Operator» von Kona. Foto: LvR

Kona: Aufgeräumt in die Zukunft
Im Vergleich zu den «alten» Stab-Schlachtrössern kommt das neue Downhill-Bike von Kona ausgesprochen aufgeräumt daher. Durch die Kinematik und die Anbringung des Federbeins sofort als Kona erkennbar, weisen die «Operator»-Modelle eine Reihe zeitgemässer Details auf – wie das konifizierte Steuerrohr. Zudem hat sich Kona gehörig ins Zeug gelegt, damit die «Operator»-Serie auch farblich stimmig auf die Downhill-Pisten dieser Welt rollt.


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Kaum wiederzuerkennen: Das «DH 920» von Lapierre mit «Pendbox»-Kinematik. Foto: LvR

Lapierre setzt auf die «Pendbox»-Technologie
Sam Blenkinsop war schon in der abgelaufenen Worldcup-Saison auf dem neuen Downhill-Bike von Lapierre unterwegs. Dieses zeichnet sich durch eine komplett neue Kinematik aus, die Lapierre «Pendbox» nennt. Dabei wird das Tretlagergehäuse vom Hauptrahmen entkoppelt – und damit die Hinterradfederung von Antriebseinflüssen.


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Bitte nicht nachahmen: Wer seine Federgabel so modifiziert, ist nicht auf Garantieleistungen angewiesen. Foto: LvR

Während der Hauptrahmen aus Aluminium gefertigt ist, besteht die Schwinge grösstenteils aus Carbon – was das Gewicht der ungefederten Masse nochmals senken hilft. Das Federbein wird über zwei scharnierähnliche, kurze Hebel angelenkt, dank denen sich auch die Geometrie verändern lässt. An diesem Lapierre-Downhiller, der am Hutchinson-Stand zu sehen war, fiel uns besonders die etwas spezielle Art des Gewichtstunings auf: Auf die Idee, die Standrohre zwischen den Gabelbrücken abzudrehen, muss man zuerst mal kommen – zumal sich die Gewichtsersparnis in einem sehr engen Rahmen bewegen dürfte.

Nach der polierten und der weissen Variante schiebt Mondraker 2011 eine knallgelbe Variante des «Summum» nach, farblich auf die Mavic-Laufräder abgestimmt.
Foto: LvR

Mondraker: Summum in knallig
Mit den Teamfahrern Fabien Barel (diese Saison leider langzeitverletzt) und Damien Spagnolo hat die spanische Bikeschmiede Mondraker für Furore gesorgt – und mit dem Downhiller «Summum». Dessen innenverlegte Züge und superflacher 63-Grad-Lenkwinkel sind inzwischen von einigen Firmen kopiert worden. Mondraker selbst schickt das «Summum» weitgehend unverändert in die kommende Saison, bietet aber mit einem knalligen, zu den Mavic-Laufrädern passenden Gelb eine weitere Farbvariante.


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Norco hat für 2011 nochmals die Kinematik des «DH Race» verfeinert. Foto: LvR

Norco mit verfeinerter Hinterbau-Kinematik
Die kanadische Marke Norco war schon immer eine gute Adresse für Schwerkraft-Fans mit begrenztem Budget. Für 2011 wurde nun der Viergelenk-Hinterbau so modifiziert, dass das Hinterrad nach oben und hinten ausweicht – bisher wiesen die Rahmen eine fast vertikale Raderhebungskurve auf. So sollen die 2011er-Bikes, wie das hier gezeigte «DH Race» scharfe Kanten besser ausbügeln, ohne dass man an Schwung verliert.

Nukeproof ist zurück
In den 90er-Jahren machte sich Nukeproof einen Namen mit superleichten Naben aus Carbon und Alu. Nun ist die Marke in einem ganz anderen Segment zurück: Lukas Mechura fährt auf einem Nukeproof-Hardtail im 4Cross-Worldcup mit, und erste Prototypen-Bilder des «Scalp»-Downhillrahmens kursierten auch schon seit einigen Monaten im Web.


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Nukeproof ist zurück – mit dem «Scalp»-Downhillrahmen. Foto: LvR

Als Eingelenker mit grossem Hauptlager und einem über einen Umlenkhebel angelenkten Federbein weist der «Scalp» gewisse Ähnlichkeiten zum «TR450» von Transition Bikes auf. Der Rahmen wird serienmässig mit einem «Vivid 5.1»-Federbein von RockShox geliefert, gegen Aufpreis gibt’s den «Double Barrel» von CaneCreek.


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Mit dem Mut, eigene Wege zu gehen: Onion’s Downhiller mit einem Hauptrahmen aus Stahl, ums Tretlager drehender Aluschwinge und voluminösem Luftdämpfer. Foto: LvR

Onion: Sechskant-Rohre aus Stahl
Die Italiener von Onion sind schon länger für eigenwillige Designs bekannt – ihre älteren Downhill-Bikes wecken Kindheitserinnerungen an Meccano-Bausätze. An der Eurobike präsentierten sie einen Downhiller mit Stahlrahmen, einer ums Tretlager drehenden Aluschwinge und grossvolumigem Luft-Federbein mit zwei getrennten Luftkammern.


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Ein Blick auf das Federbein und die Stahlrohre mit Sechskant-Profil. Foto: LvR

Der Clou: Ohne Pedale bleibt diese Fuhre unter 16 Kilogramm. Ins Auge sticht zudem der Sechskant-Querschnitt von Ober- und Unterrohr: Diese sind aus gefalzten und verschweissten Stahlblechen gefertigt – eine Methode, die im Raum Zürich auch vom Hersteller Witchbroom verfolgt wird.


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Der legitime Nachfolger von IronHorse’s «Sunday»? Auf jeden Fall kommt auch beim «Phoenix» von Pivot die DW-Kinematik zum Einsatz. Foto: LvR

Pivot: Ein Phoenix ohne Asche
In Europa ist David Weagle’s neue Marke Pivot bisher als Anbieter von Allmountain- und Enduro-Bikes bekannt. Aber im Downhill-Worldcup treten Mitch Delfs und Kyle Strait auf dem «Phoenix» an. Dessen Hinterbau ist ein waschechtes DW-System (wie beim IronHorse «Sunday» seligen Angedenks), wobei der Schwerpunkt des Bikes schön mittig und tief zu liegen kommt.


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Aufwändig gefertigt: Alle hochbelasteten Aufnahmen für Antrieb, Umlenkhebel und Federbein sind in zwei miteinander verschweissten Frästeilen integriert. Foto: LvR

Damit man auch ohne Ausbau des Federbeins an den Drehknopf für die Druckstufen-Verstellung heran kommt, weist das Unterrohr kurz vorm Tretlager eine Aussparung auf. Wobei der Begriff «Unterrohr» so nicht zutrifft: Der ganze Tretlagerbereich – inklusive der Drehpunkte für den Hinterbau und der Aufnahme des Federbeins – ist aus zwei miteinander verschweissten Frästeilen gefertigt. Und auch für die Schwinge musste die Fräse eine Weile arbeiten.


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Auf den ersten Blick scheint sich an Sunn’s neuem «Radical» nicht so viel geändert zu haben. Foto: LvR

Sunn: Radikal überarbeitetes «Radical»
Seit Jahren aufm Markt, ist das «Radical» von Sunn noch immer eines der leichtesten Downhill-Bikes. Für 2011 haben die Franzosen ihr Flaggschiff gründlich überarbeitet. Und wie: Die gewohnte Wippe zur Anlenkung des Federbeins ist nun mit dem Tretlagergehäuse verbunden, das sich auf grossen Kugellagern im Hauptrahmen dreht.


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Wer genauer hinschaut, entdeckt aber das drehend aufgehängte Tretlagergehäuse und die grosszügig dimensionierten Lager. Foto: LvR

Zudem wurde die Befestigung des Federbeines modifiziert, womit man in Zukunft endlich beliebige Federbeine in diesem Rahmen verbauen kann. Beibehalten wurde die schlichte Optik: Dank der kaum verschachtelten Konstruktion kann Sunn leichtere Rohrsätze verwenden.


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Lieber Orange als Orangenhaut: Das «TR450» von Transition Bikes in einer neuen, auffälligen Farbkombination. Foto: LvR

Transition nun auch in Orange
Mit dem «TR450» konnte Transition Bikes schon in der laufenden Saison einige Erfolge auf der Rennstrecke und in den Bestellbüchern verzeichnen. Nun gibts den Rahmen auch in einem auffälligen Orange. Den kleinen Bruder «TR250» wird Frontline Magazine in einem weiteren Messerückblick unter die Lupe nehmen.


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Auch Zonenschein hat den «Zypher»-Downhillrahmen gründlich überarbeitet – hier die Variante mit Bremsmomentabstützung. Foto: LvR

Zonenschein: Tiefer, flacher, breiter – und leichter!
An Zonenschein’s Downhill-Flaggschiff «Zypher» gibt’s für 2011 mehr als nur schöne Details zu entdecken: Das Bike bekommt einen flacheren Lenkwinkel, ein tiefer und breiter bauendes Tretlager sowie 245mm Federweg (oder eben 10 Zoll) mit auf die Rennstrecken.


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Wer näher hinschaut, entdeckt einige interessante Details – wie die Anlenkung des Federbeins und aufwändige Frästeile. Foto: LvR

Teamfahrer Maximilian Bender hat diese Änderungen angeregt und in der vergangenen Saison in der Praxis durchgetestet. Wer sich für die abgespeckte Variante «Zypher Pro» ohne Bremsmomentabstützung entscheidet, wird mit einem tieferen Gewicht belohnt.

Quelle: vor Ort @ Eurobike FN
Bilder&Text: LvR

Eine Antwort zu Eurobike-Rückblick I: Neue Downhill-Bikes für 2011

  1. Daniel seiwerth sagt:

    Diese Downhill Bikes sind der Hammmmmmmmmmmmer.