SM Zermatt: Die neuen Meister sind gekrönt

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An den Schweizermeisterschaften in Zermatt holten sich Nick Beer und Pascal Seydoux die Titel bei den Herren, Emilie Siegenthaler gewann beide Damen-Rennen.

Dass der Walliser Nobel-Skiort Zermatt für Mountainbike-Rennen seine Besonderheiten hat, wurde schon zu Beginn der Meisterschaften klar – schliesslich ist Zermatt normalerweise autofrei. Zwar konnten die Organisatoren für die SM-Starter und ihren Fuhrpark eine Sonderbewilligung rausschlagen, damit diese nicht nur bis nach Täsch, sondern bis zur Talstation der Sunnegga-Bahn am Ortseingang fahren durften.


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Mit der Sunnegga-Standseilbahn gings bergan. Foto: zVg Scott 11/Thomas Dietze

Zermatt ist anders – und zwingt zum Improvisieren
Aber das änderte nichts am Platzmangel in Zermatt selbst: Claudio Caluori etwa fand gerade noch so Platz für den grossen Renntruck des Scott 11-Teams, aber die Vorzelte liessen sich nicht auch noch aufstellen. So fehlte den Schraubern der gewohnte Platz, um sich um die Bikes der Fahrer zu kümmern. Dank einiger hilfreicher Anwohner fanden sie aber Unterschlupf in einer Garage gleich nebenan, die flugs zur Bike-Werkstatt umfunktioniert wurde.

Auch die Downhill-Strecke sorgte für Diskussionen, denn sie war lang, ruppig und äusserst anspruchsvoll. Vor allem aber waren manche der Sprünge so lang geraten, dass selbst die besten Fahrer Mühe hatten, auf den technischen Anfahrten genügend Tempo aufzubauen. Schon im Training forderte dies ein prominentes Opfer: Marcel Beer kam an einem Sprung zu Fall und brach sich das Handgelenk. Damit waren die Schweizermeisterschaften für einen der Podiumskandidaten schon vorbei, ehe sie begonnen hatten. Für Aufsehen sorgte der Junior Lutz Weber: Er stellte am Samstag in der Quali die beste Zeit des Tages auf, eine knappe Sekunde vor Nick Beer.


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Nick Beer unterwegs zum Titel bei den Herren. Foto: zVg Scott 11/Thomas Dietze

Gefragt: Schnelle, aber doch sichere Läufe
Die übrigen Starter zogen ihre Konsequenzen: Als es um die Meistertitel ging, entschieden sich auch viele Herren für die Chicken Lines, statt sich über die Sprünge zu wagen. Es galt also, unnötige Risiken zu vermeiden und dennoch schnell zu sein. Am besten gelang dies Nick Beer, der seine starke Saison mit dem Meistertitel krönte. Obwohl auch er in seinem Rennlauf einmal zu Boden musste, stellte er mit 5min08 eine Bestzeit auf, an die niemand heran kam. Auch nicht Dominik Gspan, der seine Streckenkenntnisse in eine Silber-Medaille ummünzte, oder Ludovic May, der auf Rang Drei bei den Herren fuhr.

Im Rennen der Damen deklassierte Emilie Siegenthaler ihre Konkurrentinnen geradezu: Bereits im Seeding Run hatte sie ihre stärkste Konkurrentin Miriam Ruchti um 21 Sekunden hinter sich gelassen. Als es dann ums Meistertrikot ging, verlor Martina Brühlmann als Zweitplatzierte etwas über 13 Sekunden, während Ruchti rund 20 Sekunden auf Siegenthaler verlor und sich mit Rang Drei begnügen musste. Im Rennen der Junioren kam Lutz Weber heftig zu Fall. Den Titel erbte Basil Weber, der Freddy Hunziker um fast vier Sekunden hinter sich liess und so den Dreifach-Triumph fürs Scott11-Team verhinderte. Die Bronzemedaille ging etwas überraschend an Christoph Fässler.


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4Cross-Training vor Bilderbuchkulisse: Vorne Fabian Küttel und Michelle Vollenweider am Gate, hinten das Matterhorn. Foto: Florian Gärtner

4Cross: Bekannte Meister, überraschende Medaillengewinner
Am selben Wochenende wie die Downhiller fuhren auch die 4Crosser ihre Meisterschaften aus – wenn die Starterfelder auch sehr überschaubar blieben. Dafür versuchte sich Emilie Siegenthaler erstmals in diesem Jahr in einem 4Cross-Rennen – und schnappte prompt Rachel Seydoux den Meistertitel vor der Nase weg. Als faustdicke Überraschung darf Rang Drei und die Bronzemedaille für Michelle Vollenweider gelten: Sie konnte die Worldcup-Fahrerin Lucia Oetjen hinter sich lassen.

Bei den Herren war nur ein Teil der nationalen Elite für die Titelkämpfe nach Zermatt gereist: Roger Rinderknecht, David Graf, Reto Schmid oder Sidney Gerber suchte man auf der Startliste vergebens. So avancierte Pascal Seydoux zum Topfavoriten, und dieser Rolle wurde er auch gerecht: Er holte sich den Schweizermeistertitel vor Adrian Weiss und dem jungen Noel Niederberger, der im «GoEasy 4X Cup» noch bei den U17 startet und an der SM überraschend seinen Clubkollegen Simon Waldburger hinter sich lassen konnte.


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Durchzogen, mit Licht und Schatten: So werden die Schweizermeisterschaften 2010 in Zermatt vielen in Erinnerung bleiben. Foto: zVg Scott 11/Thomas Dietze

Randbemerkung: Stell Dir vor, es ist SM – und keiner erfährts
Aus der Sicht der Medienschaffenden waren die Schweizermeisterschaften in Zermatt wie schon vor zwei Jahren ein Ärgernis: Die Bergbahnen Zermatt organisieren wohl eine SM, delegieren die Pressearbeit aber vollumfänglich an die Organisatoren des «GoEasy 4X Cup» sowie des «iXS Swiss Downhill Cup». Zum Glück haben die prompt die Resultate ihrer Rennen so schnell kommuniziert, wie dies ihnen möglich war.
Bloss: Wer nationale Meisterschaften organisiert, um sich als Bike-Destination zu positionieren, der hat sich auch selbst und professionell um die Komunikation der Resultate zu kümmern – nicht bitte, sondern gefälligst. Denn die Medienarbeit ist Teil der Aufgaben der Organisatoren. Aber wieso sollte 2010 klappten, was schon 2008 in die Hose ging? Für die Europameisterschaften im DH und 4X, welche Zermatt im kommenden Jahr organisieren wird, lässt dies nichts Gutes erahnen. Und wieder schweigts aus dem Mattertal, auf ein Neues?

Schweizermeisterschaften 2010, Zermatt/VS

Downhill
Resultat Herren (17 Klassierte):

1. Nick Beer, Scott 11, in 5:08.405min
2. Dominik Gspan, ewz MTB Team loop, + 6.804
3. Ludovic May, Cross Road Martigny, + 9.411
4. Martin Frei, GT-iXS Sports Division, + 9.705
5. Thomas Jeandin, Lapierre Swiss-Tech Bike GE, + 15.828

Resultat Damen (7 Klassierte):
1. Emilie Siegenthaler, Scott 11, in 6:13.493
2. Martina Brühlmann, iXS Sports Division-Yeti-Team, + 13.675
3. Miriam Ruchti, dr-Gravity Union, + 19.908

Resultat Junioren (10 Klassierte):
1. Basil Weber, ewz MTB Team loop, in 5:25.794
2. Freddy Hunziker, Scott 11, + 3.645
3. Christoph Fässler, Thomyk-VC Gersau, + 5.003

4Cross
Resultat Herren:

1. Pascal Seydoux, GT-iXS Sports Division
2. Adrian Weiss, Scott 11
3. Noel Niederberger, Sämi’s Veloshop-VC Leibstadt
4. Simon Waldburger, VC Leibstadt-Powerbike Winterthur

Resultat Damen:
1. Emilie Siegenthaler, Scott 11
2. Rachel Seydoux, GT-iXS Sports Division
3. Michelle Vollenweider, HaiBike-blue cycle-Platzangst
4. Lucia Oetjen, Thoemus Racing Team

Quelle: PM iXS DH Cup / GoEasy 4X Cup, NICHT OK SM Zermatt
Fotos: Florian Gärtner, Thomas Dietze
Text: LvR

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