Fort William: Schweizer Doppelsieg im 4Cross

Die 4Cross-Worldcuprennen im schottischen Fort William boten viel Spannung und Action. Und sie wurden zum Triumph für die Schweizer 4Crosser: Roger Rinderknecht feierte den dritten Worldcup-Sieg seiner Karriere, David Graf realisierte mit Rang 2 sein bisher bestes Resultat und Lucia Oetjen stieg bei den Damen als Dritte aufs Podest.

Obwohl die schnellsten Herren nur 37 Sekunden für die 410 Meter lange 4Cross-Strecke in Fort William brauchten, hatte es diese in sich: Auf den 50 Höhenmeter vom Start bis ins Ziel gab es neben den gewohnten Sprungkombinationen und Steilwandkurven auch zwei Kurven ohne Anlieger und einen kniffligen Rockgarden, den die Schnellsten mit einem gewagten Step Down übersprangen. Zudem bot der lose, trockene Untergrund nur wenig Traktion, barg aber wegen der grösseren Steine im Geläuf ein erhebliches Plattenrisiko. Prompt sollten Platten eine wichtige Rolle im Rennen spielen. Dafür blieb der Wind schwach, und auch sonst spielte das Wetter nicht den Spielverderber.

Viele Starter und Action von Anfang an
Nach der schwachen Beteiligung zum Worldcup-Auftakt massen sich in Fort William wieder 64 Herren im Finale – und schon die Sechszehntelfinals hatten einige Überraschungen zu bieten: So kam mit Oli Fuhrmann der deutlich älteste Finalist eine Runde weiter, und Adrian Weiss und Beni Kistner kegelten sich 50 Meter nach dem Gate gegenseitig ausm Rennen. Am verrücktesten war der Lauf mit Guido Tschugg: Zunächst setzte sich mit Renato Rufener ein Aussenseiter an die Spitze, stürzte aber nach der ersten Kurve wegen eines Fahrfehlers und riss Tschugg und einen weiteren Gegner mit sich zu Boden. Erst in der letzten Kurve vorm Ziel konnte Guido Tschugg sich den Spanier Francisco Gutierrez noch vorknöpfen, aber auch nur, weil der einen schweren Fehler machte und stürzte. Johannes Fischbach, David Graf und Roger Rinderknecht zogen mit lockeren Laufsiegen in die nächste Runde ein.

Marosi überholt im Tiefflug, Tschugg früh raus
Schon in der ersten Runde fielen Favoriten wie Jared Graves und Michal Prokop durch eine eigenwillige Wahl des Startplatzes auf: Statt ganz rechts stellten sie sich weiter links im Gatter auf, im Vertrauen auf ihren starken Start. Für das verrückteste Überholmanöver des Tages sorgte Michal Marosi, der im Rockgarden mit einem Riesensatz fast auf den Spanier Rafa Alvarez drauf sprang und diesen so überholte. Während Prokop und Graves einen bestechend starken Eindruck hinterliessen, schied Guido Tschugg bereits im Achtelfinale aus: Scott Roberts überraschte ihn mit einem gelungenen Überholmanöver vorm Rockgarden. In der gleichen, flachen Kurve wäre David Graf um ein Haar vom Spanier Guijarro umgefahren worden. Rinderknecht und Fischbach zogen wieder mit Laufsiegen in die nächste Runde ein, wo starke Konkurrenz wartete.

Die Favoriten (fast) geschlossen im Halbfinale
Denn im Viertelfinale fuhren Fischbach und Rinderknecht nicht nur gegeneinander, sondern auch noch gegen Marosi und Graves. Vom Start weg setzte sich Graves vor Rinderknecht an die Spitze, während Johannes Fischbach ausgangs der ersten Kurve stürzte. Danach liess Marosi nichts unversucht, um an Roger Rinderknecht vorbei zu kommen. Der tschechische Routinier bot eine irre Show, riskierte dabei aber zu viel und kam zu Fall. Keine Blösse gaben sich dagegen Weltmeister Tomas Slavik, Michal Prokop, Joost Wichman und Romain Saladini, während David Graf einen weiteren Laufsieg holte und mit Michael Mechura ins Halbfinale einzog. Noch schien alles wie erwartet zu laufen, die Favoriten standen fast geschlossen im Halbfinale.

Graves falsches Gate-Kalkül als Chance für die anderen Fahrer
Dort startete Jared Graves wieder ausm dritten Gate, Tomas Slavik neben sich. Aber diesmal fand Graves bis zur ersten Kurve keinen Weg an die Spitze und musste sich hinter Slavik einreihen. Und prompt zeigte der Australier schwächen, wenn er nicht von der Spitze aus fahren kann. Während er die flache Kurve vorm Rockgarden anschnitt und damit die Innenlinie zumachte, holte Rinderknecht weit aus und flitzte auf der Aussenlinie an Graves vorbei. Der geriet ins Rutschen und wurde sogleich auf den letzten Platz durchgereicht. Slavik und Rinderknecht fuhren somit um den Sieg, Graves nur um Rang 5. Ncoh mehr ging im anderen Halbfinale ab: Prokop und Wichman setzten sich an die Spitze und schienen unterwegs ins grosse Finale. Schienen, denn Joost Wichman griff Prokop auf der zweitletzten Gerade nochmals an, was für beide im schottischen Staub endete. David Graf nutzte die Chance und zog vorbei, Wichman war schneller wieder aufm Bike und kam ebenfalls noch ins Finale.

Zwei Schweizer gegen zwei RSP-Fahrer im Finale
Als es um die Wurst ging, setzte sich der Holländer vom Gate weg an die Spitze, an seinem Hinterrad Roger Rinderknecht und Tomas Slavik. Aber wie er in Führung liegend den Rockgarden überspringen wollte, kam Wichman etwas zu kurz und hängte bei der Landung mit dem Vorderrad an. Das Resultat war ein heftiger Abgang über den Lenker, und Wichmans Bike traf im Flug erst noch den Teamkollegen Slavik und holte diesen vom Bike. So war die Bahn frei für Roger Rinderknecht und David Graf – und für den ersten schweizerischen Doppelsieg in der Geschichte des 4Cross-Worldcups. Platz 5 im kleinen Finale holte sich Jared Graves trotz eines platten Hinterreifens. So einen handelte sich auch Romain Saladini ein, weshalb er Michal Prokop und Michael Mechura ziehen lassen musste

Plattfüsse als Dauerthema bei den Damen
Im Rennen der Damen spielten platte Reifen eine grössere Rolle: So schied Fionn Griffiths bereits im Viertelfinale aus, weil sie sich einen Platten hinten eingehandelt hatte. Mit Katy Curd hatte eine andere Hoffnungsträgerin der Gastgeber Forfait erklären müssen: Sie hatte sich im Downhill-Training den Radiusknochen gebrochen. Dafür sorgte Joey Gough für Spektakel: Die Britin nahm auch die grossen Sprünge mit beeindruckender Leichtigkeit. Prompt sorgte Gough im Halbfinale mit einem weiteren Laufsieg für eine Bombenstimmung. Dafür musste Anneke Beerten nach einem verpatzten Start hart kämpfen, um den Finaleinzug nicht zu verpassen. Genau dies passierte nämlich der Quali-Schnellsten: Melissa Buhl machte in Führung liegend einen Fehler im Rockgarden, was Lucia Oetjen und Céline Gros die Tür öffnete und das vorzeitige Aus für die Amerikanerin bedeutete.

Beerten besiegt ihren Fort-William-Komplex
So war der Weg frei für Anneke Beerten: Anders als im Halbfinale kam sie wieder gut vom Start weg. Zwar musste sie Joey Gough eingangs der ersten Kurve noch vor sich dulden, aber noch vorm Rockgarden fand sie einen Weg vorbei und gab die Führung bis ins Ziel nicht mehr ab. Damit konnte Beerten endlich einmal in Fort William gewinnen. Auf die weiteren Plätze fuhren Joey Gough und Lucia Oetjen, die mit Rang 3 ihr bestes Worldcup-Resultat bis dato holte. Für Buhl blieb nur der Sieg im kleinen Finale und damit Rang Fünf, vor Steffi Marth. Der heimliche Star der Damenrennen war aber die Brasilianerin Luana de Souza-Oliveira: Wie schon im Vorjahr trat sie auf dem schweren Downhill-Bike an, kam damit jeweils erstaunlich gut ausm Gatter pflügte ohne Rücksicht auf Verluste durch den Rockgarden und liess es an den Sprüngen so richtig fliegen.

Das komplette 4Cross-Worldcuprennen von Fort William kann man sich auf freecaster.tv bereits im Replay angucken. Fotos des Rennes und der Sause danach folgen später.

UCI 4Cross Worldcup 2011, Lauf 2 in Fort William/GBR
Resultat Herren:
1. Roger Rinderknecht, SUI/BMC-Oakley-iXS Sports Division
2. David Graf, SUI/Gates-Nicolai
3. Tomas Slavik, CZE/RSP 4Cross Racing Team
4. Joost Wichman, NED/RSP 4Cross Racing Team
5. Jared Graves, AUS/Yeti Fox Shox Factory
6. Michal Prokop, CZE/Red Bull-Specialized
7. Michael Mechura, CZE/CRC-Nukeproof
8. Romain Saladini, FRA/Commencal Super Riders
9. Daniel Prijkel, NED/Team Merida-Combee
10. Milan Mysik, CZE/Giant-Kur Sport
ferner in den Top30:
13. Johannes Fischbach, GER/Ghost Factory Race Team
17. Guido Tschugg, GER/Ghost Factory Race Team
20. Petrik Brückner, GER/Fly Racing-Zonenschein
24. Oliver Fuhrmann, GER
25. Pascal Seydoux, SUI/GT-iXS Sports Division

Resultat Damen:
1. Anneke Beerten, NED/Trek Milka MTB Team
2. Joey Gough, GBR
3. Lucia Oetjen, SUI/Thömus Racing
4. Céline Gros, FRA/Morzine-Avoriaz – Haute Savoie
5. Melissa Buhl, USA/KHS Factory
6. Steffi Marth, GER/Trek Gravity Girls
7. Luana de Souza Oliveira, BRA
8. Nichola Anderson, GBR
9. Fionn Griffiths, GBR/Team GR
10. Helene Frühwirth, AUT/RC Alpine Commencal Austria

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