Pimp my Monarch

Es kommt nicht nur darauf an, was ein Federelement ab Werk kann. Sondern auch, ob man es an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann. Das «Monarch»-Federbein von RockShox hat sich als erstaunlich variabel erwiesen – wenn es in den richtigen Händen ist.

Das Testbike im Einsatz, noch vorm Fahrwerks-Tuning:
Oben auf dem Schauenberg im vorderen Tösstal.

Alles begann damit, dass mir der Schweizer RockShox-Vertrieb Amsler AG für eine Weile ein Bike zur Verfügung stellte, um der «Reverb»-Teleskopstütze auf den Zahn zu fühlen. Die Stütze steckte in einem «Compulsion Pro» von Felt, optisch überaus auffällig mit der gold-weissen Lackierung, vielen darauf abgestimmten Anbauteilen und den «Crossmax ST»-Laufrädern von Mavic. Bloss: Auf den ersten Ausfahrten störte ich mich an den widerwillig arbeitenden Federelementen. Für ein Allmountain-Modell mit 150mm Federweg und 14 Kilogramm Kampfgewicht (inklusive etwas schwerer Pedale und der «Reverb», die im Vergleich zu einer gewöhnlichen Stütze rund 350g mehr wiegt ) fuhr sich das Teil schlicht eine Ecke zu unkomfortabel. Zumal ich den Federweg nicht annähernd ausnutzte.

Der Blick aufs Federbein zeigt: Den Federweg ausnutzen sieht anders aus.

Als ich dieses Feedback zum Bike abgab, legten mir die Verantwortlichen bei Amsler nahe, Kontakt mit Daniel Portmann aufzunehmen. Der war selber lange bei Amsler angestellt und ist inzwischen der «European Rear Shock Technician» bei RockShox. Als solcher betreut er OEM-Kunden, um die ideale Werksabstimmung für die jeweilige Hinterbau-Kinematik zu erarbeiten, und kümmert sich um die Stossdämpfer von Teamfahrern wie René Wildhaber. Seine Werkstatt hat Portmann im Keller eines stattlichen, alten Hauses im kleinen Thurgauer Ort Steckborn eingerichtet. Und wenn ich eingerichtet schreibe, dann meine ich das auch: An den Wänden hängen Rock Shox-Federgabeln aus zwei Jahrzehnten, darunter auch die drei Sondermodelle für die Olympischen Spiele von Sidney, Athen und Peking. Die Sound-Anlage kann sich sehen lassen, und die Auswahl belgischer Spezialbiere im Kühlschrank sowieso.

Ein Traum für alle, die schon lange biken:
RockShox-Gabeln aus eineinhalb Jahrzehnten…

Wichtiger sind aber die verschiedenen Werkzeugstöcke: In diesen verbergen sich eine Menge Ersatzteile, Shims und Spezialwerkzeuge, auf den Regalen reihen sich Flaschen mit Dämpferölen in verschiedenen Viskositäten. In dieser Werkstatt erklärte ich Dani, was mir am Testradl von Felt nicht passte – und dass ich mit deutlich mehr Sag unterwegs war, als dies Felt empfiehlt. Darunter litten zwar die Klettereigenschaften, dafür stand mit bergab der volle Federweg zur Verfügung. Schnell war klar, dass Felt beim «Compulsion Pro» ab Werk ein «Monarch»-Federbein verbaut, bei dem die Druck- wie die Zugstufe in der mittleren Einstellung eingestellt sind. Über den Wechsel der Shims am Durchflussventil lässt sich dies fast nach Belieben ändern – und genau dies stand nun an, um das Fahrwerk des Testbikes voll zur Entfaltung zu bringen.

… hängen an der Wand von Portmanns Werkstatt.
Auch die Sondermodelle für Sidney, Athen und Peking.

Also liess Portmann zuerst einmal den Druck ab, zerlegt dann mit geübten Handgriffen das Federbein, leerte das Öl ab und hatte bald die Kolbenstange des Dämpfers in Händen. Sogleich ersetzte er das Durchflussventil durch die 2012er-Variante, die bereits einen grösseren Öldurchfluss bietet. Zusätzlich änderte er die Shims auf eine Einstellung, die bei RockShox intern «L7» genannt wird – und für ein Fullie von Rose ausgetüftelt wurde. Darauf wurde der Dämpfer wieder mit Öl befüllt, gründlich entlüftet und das Federbein gut gefettet wieder zusammengebaut. Darauf galt es, diesmal die vom Hersteller empfohlene Menge Sag zu erzielen. Weil Dani grad dran war, verpasste er auch der «Revelation»-Gabel noch eine Packung Spezialfett auf die Dichtungen und stellte das Floodgate so ein, dass der Unterschied zwischen offen und zu krass ist und sich die Gabel berghoch nicht mehr aufschaukelt.

Der Maestro in seiner Werkstatt, wo es ihm an nichts fehlt.

Das Resultat ist spektakulär: Die zuvor vorne wie hinten nur widerwillig ansprechende Federung arbeitet nun ungemein feinfühlig, der gesamte Federweg lässt sich ausnutzen, und dennoch bleiben Durchschläge weitestgehend aus. Endlich ist das «Compulsion Pro» ein echtes 150mm-Allmountain, das jedes seiner 14’000 Gramm wert ist. Dennoch bleibt das Fahrwerk lebhaft, mit dem Bike kann man spielerisch springen. Kurzum: Das Bike ist kaum wieder zu erkennen. Weil Dani Portmann auch Fachhändler in Sachen RockShox-Tuning schult, kann man diesen nur raten, ihm genau zuzuhören und über die Schulter zu gucken. Wer seiner Kundschaft so weiter helfen kann, hat einen fetten Trumpf im Ärmel.

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