Das Projekt für einen Bikepark hinter dem Einkaufszentrum Sihlcity am Zürcher Stadtrand hat es nicht leicht. Anfang 2000 begonnen, steht die Realisierung noch immer nicht fest. Um die aktuelle Situation zu beleuchten, schrieb Frontline Magazine fünf Personen/Organisationen an, die beim Projekt eine Rolle spielen oder es seit langem verfolgen. Allen fünf wurden die selben fünf Fragen gestellt – dies als Beitrag zu einer Diskussion, die hoffentlich (weiterhin) sachlich geführt wird.
Hier die Antworten:
Wo steht das Projekt Bikepark Sihlcity aus Sicht von Züritrails derzeit?
Das Projekt steht aktuell an einem Scheideweg. Die Stadt und die Nutzer müssen sich fragen, ob sie das Projekt so schnell wie möglich realisieren wollen und dafür in Kauf nehmen, dass es nur reduzierten Ansprüchen genügen wird, oder ob man nochmals einen Schritt zurück geht und bei gleich bleibendem Budget des Projekt unter echter Partizipation der Nutzer optimiert.
Wie geht es weiter?
Aus Sicht des Vereins Züritrails wäre eine externe Expertise zum Projekt das zweckmässigste Mittel, um die aufgehitzten Diskussionen wieder etwas zu versachlichen.
Wie sollen die Bereiche Pumptrack, BMX und Dirt dereinst umgesetzt werden?
BMX-Strecken werden ohnehin schon aufgrund der sehr starken Belastungen im Wettkampf aus eher harten Materialien wie Netstaler (Oberbau mit Kalk-Mergel-Deckschicht) und Asphalt erstellt. Auch bei Pumptracks wurden gute Erfahrungen mit stabilisiertem Material gemacht. Einzig der Bereich Dirt wirft aktuell noch Fragezeichen auf. Hier muss der Spagat zwischen Dauerhaftigkeit, Flexibilität und beherrschbarem Aufwand für den Unterhalt geschaffen werden. Der Verein Züritrails hat als Kompromiss vorgeschlagen, die Absprünge aus Holz auf Stahlrahmen auszuführen. Die Kosten für die Erstellung wären hier zwar höher, dafür könnte aber der Unterhalt mit minimalen Mitteln bestritten werden.
Wie beurteilst Du den Umstand, dass die Pumptracks GmbH gleichzeitig Berater und Erbauer sein soll?
In Anbetracht der Tatsache, dass es nicht eine beliebige Anzahl an Unternehmen gibt, die eine solche Anlage planen und realisieren können, spricht prinzipiell nichts dagegen, dass eine Firma den Zuschlag für den Bau der Anlage erhält, die auch schon in die Planung involviert gewesen ist. Kritisch betrachtet werden sollte allerdings der Umstand, dass die genannte Firma bislang keinerlei Erfahrung im Bau von Dirtjumps und ebensowenig von komplexen Anlagen mit verschiedenen Nutzungen auf einem gemeinsamen Perimeter vorweisen kann. Diese Firma hat es darüber hinaus versäumt, die späteren Nutzer in geeigneter Weise mit in die Planung einzubeziehen.
Wann sollte der Park eröffnet werden?
Der Park sollte dann gebaut und eröffnet werden, wenn die kritischen Punkte geklärt sind. Da der Park öffentlich zugänglich sein wird, sollten sich die Entscheidungsträger hier zunächst die Meinung einer Fachperson einholen, welche ausgewiesene Erfahrung im Bau von komplexen Anlagen vorweisen kann.
Wo steht das Projekt Bikepark Sihlcity aus Deiner Sicht derzeit?
In einer Sackgasse. Die Verantwortlichen haben sich auf die Aussagen eines selbsternannten Fachmanns verlassen, der offensichtlich vorgab, im regen Kontakt mit der späteren Nutzergruppe zu stehen und deren Interessen der Stadt gegenüber zu vertreten. Dem war leider nicht so.
Wie geht es weiter?
Um den Rückhalt in der Zielgruppe und damit auch Betrieb, Unterhalt und Pflege der späteren Nutzer zu sichern, muss das Konzept noch einmal überdacht werden. In einem zweiten Submissionsverfahren sollten Varianten zugelassen werden, damit wirklich Sachverständige ihre langjährige Erfahrung einbringen können. Die Umsetzung darf nicht an einem Detail wie der fragwürdigen Beschaffenheit von Hügelchen scheitern. Hier geht es ums Ganze, das Vorbildcharakter haben und für Folgeprojekte wegleitend sein wird. Dafür gibt es keine zweite Chance.
Wie sollen die Bereiche Pumptrack, BMX und Dirt dereinst umgesetzt werden?
Hier scheiden sich die Geister. Für die Sportler ist es unablässig, dass die Sprunglinien permanent angepasst werden können. Nur so haben sie optimale Bedingungen. Das ist mit einem Unterbau aus einem Kies-Zementgemisch nicht möglich. Dazu kommt der Aspekt der Sicherheit, der mit der geplanten Lösung nicht gewährt werden kann, wie Erfahrungen aus dem Park am Zürichberg belegen.
Wie beurteilst Du den Umstand, dass die Pumptracks GmbH gleichzeitig Berater und Erbauer sein soll?
Ein Schelm, wer Böses denkt. Es kann und darf aber nicht sein, dass ein Berater der Stadt ein projektbedingtes Bedürfnis einer Zielgruppe impliziert, das er dann mit einer eigens dafür ins Leben gerufenen Firma zu stillen bereit ist. Das erinnert zu stark an Charlie Chaplins “The Kid”, wo der Kleine Fenster einschmeisst und der Vater als Glaser sofort vor Ort ist, um diese zu reparieren. Die vorgegebenen Parameter verhinderten die seriöse Teilnahme renommierter Unternehmen am Submissionsverfahren, da diese das Projekt unter diesen Umständen als nicht vernünftig realisierbar betrachteten und sich um den guten Ruf ihrer Firma sorgten, sollten sie dennoch involviert werden.
Wann sollte der Park eröffnet werden?
Der Park soll eröffnet werden, wenn die Exposition und Betriebssicherheit optimal ist und wenn sich die Zielgruppe damit identifiziert und ernstgenommen fühlt. Das muss nicht in diesem Jahr geschehen. Ob es jetzt 12 oder 13 Jahre bis zur Realisation werden, spielt in Anbetracht dessen, was auf dem Spiel steht, keine Rolle mehr.
Wo steht das Projekt Bikepark Sihlcity aus Sicht von NT Dirt derzeit?
Das Projekt ist weit fortgeschritten. Die Baueingabe wurde gemacht und meines Wissens ist das Submissionsverfahren abgeschlossen. Nur das Budget muss noch bewilligt werden.
Allerdings hat man etwas wichtiges ausgelassen: Die Bedürfnisse der potentiellen Nutzer abzuholen. Das wurde bisher versäumt. Das Projekt hat sich in eine äusserst eigenartige Richtung entwickelt.
Wie geht es weiter?
Richtig Partizipieren ist wichtig! Nicht Informationsverbote geben Antworten auf das,was man wissen will, sondern ein reger Austausch mit relevanten Akteuren.
Beispielhaft dafür, dass ein partizipativer Prozess bisher nicht zustande kam, ist die „Maisitzung“ im vergangenen Jahr. Mit viel Geduld hat Züritrails und auch NT-Dirt vorhandene Mängel aufgezeigt und es schien, als wäre man auf offene Ohren gestossen. Leider verstand es GSZ nicht, zu reagieren. Man hat weder an der Baueingabe noch an den Materialvorgaben etwas geändert. Das muss nun überarbeitet werden.
Wie sollen die Bereiche Pumptrack, BMX und Dirt dereinst umgesetzt werden?
Jede der Welten sollte ihr entsprechendes Material bekommen. Dabei liegt uns von NT-Dirt speziell der Dirt-Bereich am Herzen. Dirt Jumps oder auch Trails sind immer aus einem Schluff-Ton-Gemisch ohne Zusätze. Auch Holzrampen als Absprünge lehnen wir entschieden ab. Die Disziplin „Dirt“ hat ihre Berechtigung dadurch erhalten, dass einem das Material fast keine Grenzen setzt. Man kann kreieren was man will. So entsteht ein Fahrgefühl, dass in keiner anderen Diziplin zu erleben ist.
Beim Pumptrack sollte man fragen dürfen, ob das Vorprojekt am Züriberg die gewünschten Resultate gebracht hat. Ich denke kaum. Allenfalls wäre Tartanbelag eine Option. Dieser wird vermehrt auf Spielplätzen verwendet und hat gute Rolleigenschaften. Bezüglich Sicherheit und Wetterbeständigkeit dürfte er ganz gut abschneiden. Ansonsten rate ich ,das gleiche Material wie im Dirtbereich zu verwenden. Bei BMX-Bahnen wird überwiegend Mergel verwendet. Wieso nicht auch in Zürich?
Wie beurteilst Du den Umstand, dass die Pumptracks GmbH gleichzeitig Berater und Erbauer sein soll?
Wie beurteilt Ihr den Umstand, dass die Pumptracks GmbH in Kooperation mit Velosolutions die einzigen sind, die das Submissionsverfahren überstanden haben?
Wann sollte der Park eröffnet werden?
Schön wäre ein fliessender Übergang von der Zwischennutzung auf der Kronenwiese zum neuen Park. Es bleiben also noch zwei, drei Jahre. Dann sollte aber unbedingt etwas gebaut werden, worauf man sich richtig freuen kann!
Stadt antwortet demnächst
Weiter angefragt wurde Grün Stadt Zürich, welche die Anlage für das Sportamt der Stadt realisieren soll. Sprecher Lukas Handschin konnte auf keine der Fragen eine Antwort geben. Grund sind die Abläufe innerhalb der Stadtverwaltung. Nach dem letzten Treffen mit Züritrails in dieser Woche ist mindestens ein weiteres Gespräch innerhalb der Verwaltung nötig, bevor sich Grün Stadt Zürich zum weiteren Vorgehen äussert. Dies ist frühestens kommende Woche soweit.
Beim Treffen hat sich Züritrails erneut gegen Dirts aus gefestigtem (betonähnlichem) Material ausgesprochen. Um die Situation auf sachlicher Ebene zu lösen, schlug der Präsident Frank Wadenpohl vor, einen externen Experten zu engagieren, um das Projekt zu beurteilen.
Keinerlei Reaktion zeigte Pete Stutz, Inhaber der Pumptracks GmbH. Weder er noch sein Geschäftspartner Fabian Vollrath reagierten auf Mails, Anrufe oder SMS. Der Grund für das Schweigen ist Frontline Magazine nicht bekannt.




