Entmutigende Rauchzeichen aus Aigle

Der Weltradsportverband UCI ist grad fleissig dran, das letzte Bisschen Glaubwürdigkeit in der Gravity Szene zu verspielen: Gravity-Koordinator Chris Ball hat seine Stelle gekündigt, und der Enduro-Worldcup kommt nicht zu Stande.

Kaum dass der provisorische Rennkalender für die Saison 2013 bekannt geworden war, begann das grosse Werweissen: Vom für 2013 angekündigten Enduro-Worldcup, quasi einem Ersatz für den auf 2012 hin gestrichenen 4Cross-Worldcup, ist nichts zu erkennen. Mit anderen Worten: Die UCI hat die eigenen Versprechungen an die Gravity-Fraktion vergessen. Statt dessen verklagt der UCI-Präsident Pat McQuaid mit Paul Kimmage soeben einen missliebigen Journalisten wegen Rufschädigung – ein Witz für sich und ein weiteres PR-Disaster für den Verband.

Wie schlecht es um die Gravity-Disziplinen bei der UCI zur Zeit bestellt ist, zeigte sich schon in der laufenden Saison an der Trennung der Worldcup-Finals und der Weltmeisterschaften. Begründet wurde dies mit den Olympischen Spielen. Bloss: Auch 2013 wird es kein gemeinsames Worldcup-Finale geben (siehe Bild oben). Die UCI ist fleissig dran, die Bike-Szene in zwei Lager zu spalten: Hier die gehätschelten Ausdauer-Disziplinen, um den Sprint-Eliminator erweitert, dort die Gravity-Mauerblümchen, denen Jahr für Jahr das Wasser noch stärker abgegraben wird. Wer da ans altrömische „divide et impera“-Prinzip denkt, liegt wohl nicht falsch. 

Als die Hoffnung noch lebte: Chris Ball im Gespräch mit Enrico Guala,
Organisator der Super-Enduro-Rennserie in Italien.

Dass genau jetzt, da der provisorische Rennkalender für 2013 keinen Enduro-Worldcup vorsieht und mit Willingen auch ein Stopp des Downhill-Worldcups ersatzlos aus dem Programm gestrichen worden ist, mit Chris Ball der einzige UCI-Mitarbeiter mit einem Herz für und einem persönlichen Bezug zu den Gravity-Disziplinen die UCI verlässt, passt leider nur zu gut ins Bild. Dieser Abgang macht es noch unwahrscheinlicher, dass der Weltradsportverband etwas in Sachen Enduro anreissen wird. Was umso ärgerlicher ist, als lange gegensätzliche Zeichen ausgesandt worden sind – und die Industrie sich auf einen Enduro-Worldcup eingestellt hat. 

 

Die UCI soll endlich Klartext reden: Wenn ihr nicht an den Gravity-Disziplinen liegt, dann soll sie diese nicht weiter in ihrer Entwicklung behindern. Sondern all denen eine freiere Hand einräumen, die diese Disziplinen weiter mit Leidenschaft voran bringen statt klein halten wollen.

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