Versicherungschutz beim Downhillfahren – Was gibt es zu beachten?

Das hohe Tempo, grosse Sprünge sowie schwierige Strecken führen immer wieder zu Unfällen beim Downhillfahren, oftmals kommt man mit einem Schrecken davon, was aber passiert wenn es einmal nicht bei Schürfungen und Prellungen bleibt und man mit dem Krankenwagen abtransportiert werden muss? Ist die Versicherung dazu verpflichtet alle Leistungen voll zu bezahlen wenn ich mich selber diesem Risiko aussetze? 

Als meine Schwester im Jahr 2009 in Verbier beim IXS Downhillcup so schwer gestürzt ist, das sie sich den Oberschenkel kompliziert gebrochen hatte und mit dem Krankenwagen nach Sion ins Spital gefahren wurde, war ich schon genug geschockt. Wenige Tage nach dem Unfall folgte dann ein Anruf der Versicherung, dass war dann der zweite Schock! Das Problem war folgendes; da sie in einem Rennen gestürzt war, stufte die Versicherung den Unfall als absolutes Wagnis ein. Am Anfang wusste noch niemand ob die Versicherung überhaupt für die Kosten des Krankwagentransports, Spitalaufenthalt und Arztkosten aufkommt. Kein schönes Gefühl wenn man mit grossen Schmerzen 300km von zu Hause entfernt in einem fremdsprachigen Spital liegt und sich zu allem übel noch in eine persönliche Finanzkrise reinschlittern sieht. Letzten Endes konnte man dann aber von Glück im Unglück sprechen, die Versicherung bezahlte alle Heilungs- & Transportkosten. Es blieb aber die Misere mit dem Unfalltaggeld, dieses wurde um 50% gestrichen. Bei drei Monaten Arbeitsunfähigkeit tut das auf jeden Fall weh im Portemonnaie…

Was es speziell zu beachten gilt und welche Lösungen es gibt stellt euch Frontlinemagazine im folgenden Artikel zusammen.

Was ist ein Wagnis? – SUVA Beschreibung

„Als Wagnis gelten all jene Handlungen, mit denen sich die Versicherten einer besonders grossen Gefahr aussetzen, ohne entsprechende Vorkehrungen zu treffen, die das Risiko «auf ein vernünftiges Mass» beschränken. Dabei wird zwischen absoluten und relativen Wagnissen unterschieden. Downhill-Rennen und das Training auf der Rennstrecke gelten als absolutes Wagnis. Diese Handlungen sind mit Gefahren verbunden, die unabhängig von den konkreten Verhältnissen nicht auf ein vernünftiges Mass herabgesetzt werden können. Nun ist es aber nicht so, dass jedes Training auf einer Rennstrecke bei einem Unfall zu einer Wagnis-Leistungskürzung führen muss. «Sondern nur ein Training auf einer Downhill-Rennstrecke im Hinblick auf ein bevorstehendes Rennen, weil dann davon auszugehen ist, dass die Grenzen ausgelotet und ähnliche Risiken wie beim Rennen eingegangen werden», präzisiert Jurist Oliver Biefer, der sich bei der Suva mit dieser Thematik auseinandersetzt. Als relative Wagnisse gelten an sich voll gedeckte, aber mit grossen Risiken verbundene Sportarten, sofern die herkömmlichen Regeln oder Vorsichtsgebote in schwerwiegender Weise missachtet werden. Darunter fallen beispielsweise Schneesportaktivitäten abseits markierter Pisten oder Gleitschirmfliegen bei sehr ungünstigen Windbedingungen.“

Hinzufügen muss man hier, dass die SUVA generell alle relativen Wagnisse unter gewissen Umständen als absolutes Wagnis einstufen kann. (Nicht tragen von Schutzausrüstung, Trail wegen Nässe geschlossen etc.) 

Schutzausrüstung bei Rennen – ohne Normen viel interpretations Spielraum

Die Vorschriften für das Tragen von Schutzausrüstung ist mancherorts von den Nationalfederationen, andernorts von den Rennveranstaltern geregelt. Für den IXS Downhill Cup gelten folgende Regeln:

Schutzbekleidung

Alle Teilnehmer müssen im Training und in den Rennläufen folgende Schutzkleidung tragen:

– Ellbogenschützer 
– Knieschützer 
– Rücken- und Brustprotektor 
– Integralhelm (Empfehlung: Doppel-D Sicherheitsverschluss)
– Handschuhe mit langen Fingern

Die UCI als Dachverband schreibt in ihrem Reglement wiederum nur das Tragen eines Fullface Helmes mit Visier vor.

Viele Worldcupfahrer bastelten sich aus diesem Grund immer wieder ihre Schutzausrüstung aus PET-Flaschen und Milchtüten falls von den Nationalfederationen des jeweiligen Austragungsortes über das UCI Reglement hinaus das Tragen einer kompletten Schutzausrüstung wie beim IXS Cup vorgeschrieben wird. Dass das in der Dunkelgrauzone der Kommissäre ist, liegt auf der Hand. Meistens findet man irgendwo noch den Zusatz „Handelsübliche Schutzausrüstung“, da es aber nur bei Rückenprotektoren eingetragene Normen gibt, ist es bei Ellbogen- sowie Knieschonern schwierig eine klare Grenze des erlaubten oder nicht erlaubten zu setzten.

Wie kann ich mich optimal Absichern – Welche Versicherungen gibt es?

Privat Zusatz-Unfallversicherung Risikosport 

Am besten bei Eurer Krankenkasse / Unfallversicherung nachfragen was dies zusätzlich zur Grundversicherung kostet. Normalerweise sind diese Lösungen sehr teuer und als Mountainbiker nicht unbedingt zu empfehlen,  falls man noch andere Extremsportarten wie zum Beispiel Basejumping und dergleichen betreibt, schaut die Welt wieder anders aus. Wenn man die Versicherung aber nur braucht um genügend abgedeckt zu sein, um an Downhillrennen starten zu können gibt es günstigere Lösungen!

Swiss Cycling Lizenz / Cycling for All Lizenz

Für viele Rennfahrer ist es selbstverständlich; wer eine Lizenz hat startet in der Elte Klasse. Jein, denn es gibt auch eine schweizerische Lizenz für Hobbyfahrer, mit dieser hat man versicherungstechnisch genau die gleichen Vorteile wie bei einer Elite oder Amateur Lizenz. Diese heisst Cycling for All Lizenz. 

Beim Bestellen der Lizenz muss einfach ein Häkchen bei der Versicherung für Fr. 25.00 gemacht werden. Dieser Versicherungsschutz ist subsidiär, d.h. es werden die Kosten übernommen welche von der eigenen Versicherung nicht bezahlt werden. 

Hobbyfahrer haben die Möglichkeit eine Cycling for all Lizenz zu lösen. Dies ist eine Hobbyfahrerlizenz mit der man alle Rennen in den Kategorien Fun, Cycling for all, Hobby, open, etc. fahren kann. Die Lizenz selber ist gratis, aber um die Lizenz zu beziehen, muss man Swiss Cycling Mitglied sein oder werden. Der Jahresbeitrag beträgt für Mitglieder eines Veloclubs Fr. 85.00 und für ohne Mitgliedschaft in einem Veloclub Fr. 95.00. Die Unfallversicherung kostet dann noch Fr. 25.00.

Für beide lizenzierte oder Hobbyfahrer können auch noch Versicherungen mit Invaliditätskapital, Todesfallkapital und Taggeld abgeschlossen werden.

Hier gehts zur Preisübersicht

Hobbyfahrer können das Lizenzbegehren für die Cycling for all Lizenz telefonisch (031 359 72 33) oder per Mail ( info@swiss-cycling.ch ) bestellen. 

Unfalltaggeldversicherung

Wie im Artikel oben beschrieben muss man sich meistens nicht mit den Versicherungen streiten wer nun die Arztrechnung bezahlt, vielmehr geht es um das Unfalltaggeld des Arbeitgebers. Dies wird bei einem Unfall in einem Rennen eigentlich immer sofort um 50% gestrichen. Genau für diesen Fall kann man bei der Lizenz zusätzlich Taggeld abschliessen. Es gibt drei verschiedene Stufen ( 30.-/60.-/100.-) die sich natürlich in der Jahresprämie unterscheiden. Je nach dem wie hoch euer Lohn ist lohnt sich das auf jeden Fall! Das Zusatztaggeld wird ab dem 15. Tag bezahlt, jeder der sich schon mal was gebrochen hat, weiss, das alles was richtig kaputt ist ab 6 Wochen aufwärts dauert, um wieder ganz zu werden…

Wissenswertes im Notfall 

Leider musste ich selber bereits einige Unfälle, auch solche bei denen ich längere Zeit ausser Gefecht war hinnehmen. Aus diesen habe ich einiges gelernt, nicht unbedingt schneller Rad zu fahren, aber immerhin den Umgang mit Versicherungen und wie man aus diesen Notsituationen wenigstens finanziell am besten weg kommt…

– Der Weg zum Arzt oder Physio bezahlt euch gerne die Versicherung, 0.60 Rappen/km oder ÖV-Billet sammeln, sogar das Parkticket wird erstattet. Am bessten eine Excel-Tabelle führen und alles schön nach Datum eintragen und Belege dazu legen. Monatlich der Versicherung mit Angabe der eigenen Bankverbindung einreichen. 

– Der behandelnde Arzt stockt einem meist ohne Probleme die Reiseapotheke mit für Downhiller relevanten Sachen auf: Voltarensalbe, Schmerztabletten, Wundsalbe, Desinfektionsmittel, Tape und Bandagen. Das schreibt er einfach auf den Unfall drauf, ob ihr das gerade benötigt hättet oder nicht. Bei Unfall bezahlt immer die Versicherung die Medikamente und Heilmittel. Warum also nicht auch noch das..? Ansonsten muss man sich die Sachen teuer in der Apotheke kaufen, brauchen tut man die Dinge leider eh früher oder später.

– REGA-Mitgliedschaft, vorallem lohnenswert für Biker die auch im Ausland häufig unterwegs sind. 30CHF im Jahr hat man sicherlich auch schon schlechter investiert.

Abschliessend zu diesem Thema kann man wohl sagen: Mit einer guten Versicherung ist nicht nur der Vollblut Downhillracer gut beraten, sondern auch der Gelegenheits Rennteilnehmer der sich absichern möchte! Gerne könnt ihr in den Kommentaren auch eure eigenen Erfahrungen und Tips dazuschreiben!

„Prevention is better than cure!“ – „Vorsorge ist besser als Nachsorge“ 

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8 Antworten zu Versicherungschutz beim Downhillfahren – Was gibt es zu beachten?

  1. Marcus says:

    Danke für die Übersicht, sehr hilfreich.

    So etwas wie eine ad-hoc-Versicherung für ein Rennwochenende gibt es nicht?

    • Caro says:

      Leider ist mir keine Race Wochenend Versicherung bekannt! Vorallem wennes um die Unfall-Taggeldversicherung geht, gibts das wohl leider nur als Jahresversicherung.

  2. Klarer says:

    Wie siehts aus, wenn man keine Rennen fährt? reicht da die normale allg. versicherung? danke

    • Bont says:

      so weit ich weiss schon. Nicht rennmässiges Downhillen ist keine Risikosportart, daher keine Kürzung.

      Die Ausnahme bildet natürlich wenn du ein relatives oder absolutes Wagnis eingehst (betrunken fahren, bei geschlossener Strecke oder ähnliches)

  3. Cougi says:

    Weiss jemand wie es mit der Militärversicherung aussieht? Was ist wenn ich z.B. während dem WK oder RS am Wochende fahren gehe und was passiert? In meinem Fall nur Spasseshalber ohne Rennen.

    • Caro says:

      Da es sich dabei um eine Unfallversicherung handelt, gilt die Antwort von Bont auch auf deine Frage.

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