Die Mythen der Red Bull Rampage

Lieber bauen als runterfahren?!

Mittendrin statt nur dabei: Frontline Reporter Philipp Bont war diesen Oktober selbst an der Rampage dabei. Mit der Trailbaufirma Velosolutions begleitete er Gstaad Scott Teamfahrer Brendan Fairclough an die Rampage um diesen beim Bau seiner Line zu unterstützen. Ein Blick hinter die Kulissen:

Durch meinen Job bei Velosolutions war ich zwar diesen Sommer gut ausgelastet. Nach dem Bau des Bikeparks Zürich und einem Reshape am Tamaro warteten nämlich gleich eine handvolle weiterer Projekte auf uns:

Die Cross Country EM Strecke am Gurten, der Unterhalt des Bikeparks Bellwald, den Bau des Metabolon Bikeparks in Köln und der Pumptrack in Pontresina. Nach einem intensiven Jahr gabs dann aber im Oktober ein Zückerchen der ganz besonderen Sorte.

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Das Abenteuer kann beginnen: Building a line for Brendan Fairclough

Unser Gstaad-Scott Teamrider Brendan Fairclough wurde in diesem Jahr erneut an den wohl härtesten Mountainbike Freeride Event der Welt eingeladen. Ans Red Bull Rampage. So fiel Anfang Oktober der Entscheid, Brendan beim Bau einer Line tatkräftig zu unterstützen und mit Velosolutions  an den Event zu reisen.
Ein Traum den ich mir sowieso schon lange erfüllen wollte, wurde somit Realität. 

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Eigentlich ja nicht viel mehr als der typisch Amerikanische Haftungsausschuss, aber vielleicht ist ja doch was dran? Schliesslich ist man in der Wüste

Rund um den Event entstanden natürlich die eine oder andere kleinen Mythen, so zum Beispiel das Gelände sei super schwer zu erreichen und extrem abgelegen, sehr aufpassen müsse man was Skorpione und Schlangen betrifft und ohne mindestens 4 Liter Wasser im Gepäck würde man dort hinten wohl verdursten.

Nun 15 Minuten Fahrt mit dem Bike ab dem nächsten Parkplatz, ist sicher nicht gleich um die Ecke, aber man scheint es sich dort wohl eher gewohnt zu sein Strecken über 100 Meter mit dem Auto zurückzulegen.  Schlangen und Skorpione habe ich in dieser Woche keine gesehen und gegen Verdursten auf dem Gelände half der Getränke und Essensstand wirklich ungemein 😀

Trotz allem darf man die Red Bull Rampage selbst keinesfalls unterschätzen und wohl besonders für Neulinge und Europäer stellt das Gelände eine grosse Herausforderung dar.

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klein und doch mächtig, unscheinbar und doch Weltberühmt

Was die Rampage wirklich ausmacht
In Virgin Utah, dem Austragungsort der Rampage fallen eigentlich nur zwei Dinge auf: Das herzige Wild West Souvenir Dörfchen und der Camping Platz. Als Normalsterbliche würde man diesen Ort wohl nicht mit Biken in Verbindung bringen. Auch wir mussten uns zuerst umhören, wo genau den die Rampage überhaupt stattfinden würde, da wir noch einen Tag vor dem grossen Andrang da waren. Eigentlich erwartet man, dass sich der mächtige „Mount Red Bull“ majestätisch aus der Wüstenlandschaft erhebt und alles rundherum klein wirken lässt. Schliesslich ist dieser Event nicht umsonst weltbekannt. In Wahrheit passt er sich aber wie ein Chämäleon perfekt an die umgebende Gebirgskette an, von Weitem ist er nicht einmal als einzelner Berg erkennbar. Die rohe, wilde und imposante Landschaft bleibt den Eingeweihten vorbehalten, die sich auf den Weg machen, um alles aus nächster Nähe zu sehen.IMG_7669_bea

Die Geländeform lässt der Kreativität freien Lauf. Steile Klippen und die meist sandig-erdigen Böschung direkt darunter laden einen geradezu ein sich eine spektakuläre Line auszudenken. Schnell entdeckt man etliche Lines die auch mit gemässigten Aufwand realisierbar sind und keiner hindert einen daran diese daran.

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Mehr als genug Lines

Was die Shape Crews der einzelnen Fahrer, bestehend aus 3 Leuten, jeweils in 3-4 Tagen in diesen Berg bauten ist wirklich beeindruckend. Der kleine Berg in der Wüste hat nun wohl eine so hohe Traildichte, da kann sogar Whistler nur davon träumen. Nur diese auch zu fahren getrauen sich wohl nicht allzu viele. Den einige wenige Lines warten noch bis heute auf eine komplette Erstbefahrung!

Wahsnsinnsstimmung kurz vor Sonnenuntergang

Wahnsinnsstimmung kurz vor Sonnenuntergang

Wer sich das Bauen in den Alpen gewohnt ist, der fühlt sich hier regelrecht wie im Schlarafenland. Innert Kürze ist es hier möglich Sprünge, Drops und Wege zu bauen. Die Erde lässt sich leicht abgraben und formen. Felsen gibts zwar auch immer wieder, aber auch diese lassen sich einfach mit Hammer und Pickel relativ schnell entfernen. Nur das Wasser bis zur Strecke zu bringen, um Herr über die oft Zentimeter Staubschicht zu werden, ist eine undankbare und mühseelige Angelegenheit (zum Glück gabs kurz vor dem Training Regen und es war gar nicht mehr nötig). 

Der Untergrund haftet gut (im Gegensatz zu rutschigen Steinen und pickelharten Geröllfeldern in den Alpen) , durch das teilweise einsinken wird auch das unglaubliche Tempo, dass man auf den extrem  steilen Trails erhält etwas abgebremst.
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Gleichzeitig ist dieser Boden aber auch unglaublich tückisch. Wer sich nicht auf frisch geshapten und gewässerten Untergrund bewegt kann sich nie sicher sein, wie sich die nächste Landung anfühlen wird. Bricht der staubige Boden durch und man sinkt plötzlich etliche Zentimeter in den Boden ein, bis man unfreiwillig über den Lenker geht oder darf man dem was das Auge sieht trauen?

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Ja es geht echt steil runter… und raufzukommen ist auch nicht ganz easy

Weiter abschreckend ist natürlich das extrem exponierte Gelände. Auch wenn es ab und zu ganz normale Trails sind. Links und rechts geht es steil bergab, ein Sturz wäre fatal. Ein gewisses Selbstbewusstsein und bloss keine Höhenangst sind einfach Pflicht für jeden Teilnehmer.

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Nur schon das Roll In erfordert Mut, die eigentliche Herausforderung kommt aber erst danach

Während man sich oftmals denkt: Nun den einen Sprung, den könnte ich vielleicht auch noch, ist das Fahren einer ganzen Line eine Kunst. Die meisten Absprünge sind blind, man kann also selten während der Fahrt, das Tempo und auch die Richtung noch eruieren. Die ganze Line muss während Bau und Training im Kopf gespeichert werden um diesen Wettkampf erfolgreich zu überstehen. Für die meisten Fahrer mutiert die Rampage daher mehr zum Marathon als zum Sprint.
Line suchen, graben, bauen, testen, trainieren und nach der Qualifikation nochmals die gleiche Geschichte mit der Final Line. Noch ein bisschen an den Tricks feilen? Keine Chance, die müssen jetzt sitzen…
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Als ob dies nicht schon genug herausfordernd wäre, spielt Wind und Wetter als Spielverderber auch meistens eine wichtige Rolle.  So auch in diesem Jahr. Ein ganzer Tag (der Trainingstag) fiel dem Regen zum Opfer.
Es ist schon wirklich beeindruckend, die Unterschiede zwischen dem noch kurzen verbleibenden Training und Qualiläufen zu sehen, besonders wenn man weiss, dass die meisten nicht mal eine Hand voll Trainingsläufe absolvieren konnten.

 Und wofür das Ganze?
Es ist ein zweischneidiges Schwert. Die Preisgelder an der Rampage sind immernoch lächerlich tief, angesichts der Medienpräsenz und des Könnens die diese Jungs hier zeigen.

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Brendans Canyon Gap

 Das ganze hat aber auch einen postiven Effekt. Die Stimmung ist sehr kollegial, wo es geht wird den anderen Fahrern ausgeholfen, Werkzeuge geliehen oder sogar gemeinsam an Lines gebaut. Denn alle haben das gleiche Ziel: Wer es bis hier her schafft, der will seine Grenzen ausloten, die Messlatte nochmal ein Level höher setzen und den Berg bezwingen.

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Berg erfolgreich bezwungen: Platz 7 für Brendan

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